Prognosebericht
Erwartung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und zur Branchenentwicklung
Die größte Gefahr für das Kapitalmarktjahr 2025 ergibt sich aus heutigem Blickwinkel einerseits weiterhin durch potenzielle geopolitische Risiken. Dabei liegen auch positive Überraschungen im Bereich des Möglichen, insbesondere wenn es gelingt, den Ukraine-Krieg durch eine faire und nachhaltig stabile Friedenslösung zu beenden. Anderseits könnten die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den USA das Geschehen am Kapitalmarkt stark prägen. Ein hohes Lohnwachstum aufgrund eines sehr starken Arbeitsmarkts in den USA sowie die potenziell preistreibenden Wirkungen der von der neuen US-Regierung angekündigten bzw. umgesetzten Zollmaßnahmen und Rückführungen von Migranten könnten wieder zu steigenden Inflationsraten führen. Dies wiederum könnte die US-Zentralbank zu Zinserhöhungen anstatt der aktuell erwarteten Zinssenkungen veranlassen, was möglicherweise Konflikte mit der Regierung um die Unabhängigkeit der Zentralbank nach sich ziehen dürfte. Diese möglichen Entwicklungen bergen das Risiko einer starken weltweiten Verunsicherung der Kapitalmärkte, die mit hohen Kursverlusten einhergehen könnte.
Für Versorgungseinrichtungen bot sich auch im Jahr 2024 teilweise die Gelegenheit, durch Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere Kupons zu sichern, die den Rechnungszins überstiegen. Sollten die Marktzinsen im Jahr 2025 wieder fallen bzw. sich die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen weiter einengen, besteht die Herausforderung darin, geeignete Investments zu finden, die dieses Merkmal weiterhin erfüllen. Andererseits bietet die Aussicht auf Marktunsicherheiten und die daraus resultierenden Volatilitäten möglicherweise auch Chancen, entsprechende Marktphasen mit attraktiven Einstiegskonditionen für langfristige Kapitalanlagen zu nutzen.
Das unsichere ökonomische Umfeld in Deutschland und die schwierigen Finanzierungsbedingungen bergen zudem das Risiko von weiteren Insolvenzen von Beteiligten. Wenn sich auch in der Vergangenheit zeigte, dass die Beteiligten der KZVK offenbar robuster gegenüber Insolvenzen aufgestellt waren als die meisten ihrer Mitbewerber, so stellt das unsichere ökonomische Umfeld auch sie vor große Herausforderungen. Wie unter den Strategischen Risiken aufgeführt, reagiert die KZVK mit einer geschärften Wachsamkeit und einem passenden Berichtswesen, um hier auch zukünftig angemessen reagieren zu können.
Strategische Ausrichtung und voraussichtliche Entwicklung der KZVK
Die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen für die beteiligten Arbeitgeber der KZVK sind auch im Jahr 2025 als sehr anspruchsvoll einzustufen. Anhaltender Fachkräftemangel sowie steigende Kosten mindern mittelfristig die Ertragskraft in den Sektoren Krankenhäuser, Pflegeheime und mobile Altenpflege, in denen mehr als die Hälfte der Pflichtversicherten der KZVK tätig ist. Daher werden festgestellte Trends wie die Konsolidierung am Krankenhausmarkt, die sich absehbar auch im Jahr 2025 fortsetzen werden und in ihren längerfristigen Auswirkungen für die KZVK schwer zu beurteilen sind, weiterhin intensiv beobachtet. Vor dem Hintergrund dieser Unwägbarkeiten ist die nachfolgende Beurteilung der Bestandsentwicklung unter Vorbehalt zu betrachten.
Die Zahl der Pflichtversicherten wird analog zum Trend der Vorjahre voraussichtlich weiterhin leicht ansteigen. Die KZVK bleibt im Bereich der Pflichtversicherung demnach auf einem moderaten Wachstumspfad. Gleichzeitig wird die Zahl der Versorgungsempfängerinnen und -empfänger durch Renteneintritte stärker ansteigen als die der Pflichtversicherten. Bei der Anzahl der Beteiligten wird im Jahr 2025 gemäß dem Trend der Vorjahre mit einem leichten Rückgang gerechnet. Durch den vorherrschenden Trend zu Konsolidierungen werden die Versicherten tendenziell auf weniger rechtliche Einheiten verteilt.
Für das Jahr 2025 rechnet die KZVK mit einem Anteil der Pflichtversicherten mit aktiver freiwilliger Versicherung von gut vier Prozent. Die freiwillige Versicherung wird seit Einführung des neuen Tarifs zum 01. Januar 2022 aktiv unter dem Namen „MehrWert“ beworben. Trotz eines abgesenkten Rechnungszinses kann mit dem neuen Tarif durch wettbewerbsfähige Überschussbeteiligungen ein attraktives Leistungsniveau dargestellt werden. Auch im Jahr 2024 konnten die Versicherten von dieser Überschussbeteiligung profitieren. Insgesamt wird jedoch vorerst weiterhin mit einem Rückgang der Anzahl der freiwillig Versicherten gerechnet, da die Zahl der Renteneintritte und Beitragsfreistellungen auch 2025 höher ausfallen dürfte als die der Neuzugänge. Mittelfristig geht die KZVK wieder von einer steigenden Anzahl an freiwillig Versicherten aus. Die Anzahl der Versorgungsempfänger in der freiwilligen Versicherung wird sich auch im Jahr 2025 weiter deutlich erhöhen.
Das voraussichtliche Umfeld an den weltweiten Kapitalmärkten sollte grundsätzlich die Möglichkeit bieten, Neuinvestitionen im Bereich der festverzinslichen Titel des Direktbestandes einzugehen, die bei guter Bonität eine Rendite über dem oder nah am Rechnungszins bieten. Das festverzinsliche Portfolio des Direktbestands dient zur Deckung der passivseitigen Zahlungsverpflichtungen. Aufgrund der konservativen Anlagepolitik in diesem Teil des Portfolios ist trotz der herausfordernden Wirtschaftslage von keinem signifikanten Anstieg der Ausfallrisiken auszugehen.
Der Anteil und die Struktur der Kapitalanlagen, die primär nicht der Deckung der passivseitigen Zahlungsverpflichtungen, sondern dem Erwirtschaften der notwendigen Zusatzrendite zur Erreichung der Zielnettoverzinsung dienen, werden entsprechend der mittelfristigen Kapitalanlagestrategie weiterentwickelt. Diese sieht im Zielbild vor, einen Anteil von etwa der Hälfte der gesamten Kapitalanlage in Eigenkapital-Anlagen wie Aktien, Private Equity, Infrastruktur und Immobilien zu investieren. Nach der – aufgrund der geänderten Zinssituation – leichten Anpassung in Richtung Fremdkapital-Investments in den vergangenen beiden Jahren wird sich die Allokation für das Jahr 2025 wieder einen Schritt in Richtung der mittelfristigen Planallokation bewegen. Das bisherige derivative Wertsicherungskonzept für den Aktienbereich wurde im vergangenen Jahr aufgelöst und wird im Jahr 2025 neu konzipiert.
Den Risiken im Aktienbereich wird unter anderem mit einer maßvollen Allokation von Aktien begegnet, die sich im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich erhöhen soll. Die im Falle einer störungsfreien Kapitalmarktentwicklung für 2025 zu erwartenden leicht sinkenden Zinsen könnten den Fremdkapital-Investments Rückenwind geben und zu Bewertungsanstiegen führen. Zu potenziellen Kursverlusten könnte es bei negativen Abweichungen von dieser Markterwartung und ebenso durch fortgesetzte Bewertungskorrekturen am Immobilienmarkt kommen. Des Weiteren sind die Bewertungen am Aktienmarkt weltweit erhöht, was für diese Anlageklasse zu mittelfristig etwas niedrigeren Renditen führen dürfte, da ein Teil der zukünftigen Gewinne bereits eingepreist scheint.
Basis der Kapitalanlagetätigkeit bleibt die Orientierung an den langfristigen versicherungsseitigen Verpflichtungen und ein entsprechend ausgerichtetes Risikomanagement. Bezogen auf den mittleren Kapitalanlagebestand wird für 2025 eine Nettoverzinsung von 3,25 Prozent angestrebt.
Die KZVK bewegt sich im Jahr 2025 weiter auf dem von ihr eingeschlagenen strategischen Entwicklungspfad, der den Kapitaldeckungsgrad im Jahr 2024 erstmals auf über 80 Prozent hat ansteigen lassen. Die Bestandsentwicklung und die auf dem Zielniveau von 3,25 Prozent verstetigte Nettoverzinsung sollen dazu beitragen, diesen Anstieg auch in den nächsten Jahren sukzessive fortzusetzen, soweit die vorhandene Risikotragfähigkeit dies zulässt.
Aufgrund des nicht durch Eigenkapital gedeckten Ausgleichspostens in der Pflichtversicherung stehen der Deckungsrückstellung auf der Passivseite weniger Vermögenswerte auf der Aktivseite gegenüber, die ertragbringend angelegt werden können. Dies muss bei der Beurteilung des erwarteten Jahresergebnisses berücksichtigt werden. Dadurch reicht der aktuell für den Zeitraum der Angleichungsphase erhobene auskömmliche Beitrag von 6,00 Prozent bis auf Weiteres noch nicht aus, um ein ausgeglichenes Jahresergebnis zu erzielen. Die KZVK rechnet daher im Jahr 2025 wieder mit einem Jahresfehlbetrag.
Der Ausgleichsposten in der Pflichtversicherung ist durch den satzungsmäßigen Rechtsanspruch der KZVK gegenüber ihren Beteiligten auf künftige Beitragszahlungen gedeckt. Auf der Basis fortlaufend aktualisierter Prognosen der langfristigen finanziellen Entwicklung der KZVK unter Verwendung der Rechnungsgrundlagen der Finanzierung nach technischem Geschäftsplan und unter Berücksichtigung aktueller Einschätzungen zur erwarteten Entwicklung des Beitragssatzes sowie des Bestandes und der zusatzversorgungspflichtigen Entgelte der Versicherten und der daraus resultierenden künftigen Beitragseinnahmen wird der Ausgleichsposten als nachhaltig tragfähig bewertet. Die KZVK geht davon aus, den Ausgleichsposten in Relation zu den versicherungstechnischen Rückstellungen weiterhin kontinuierlich und langfristig abschmelzen zu können.
Köln, 31. März 2025
Der Vorstand
Christian Loh
(Vorstandsvorsitzender)
Dr. Oliver Lang
Dr. Sebastian Leipert