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Wie Bistümer und Caritas mit Social Media Nähe und Gemeinschaft stärken

Soziale Medien gehören für die meisten Menschen längst zur alltäglichen Lebenswelt. 80 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ab 16 Jahren waren im Juli 2024 auf mindestens einem Social-Media-Kanal aktiv. Zu diesem Ergebnis kamen die Recherchen für den „Social-Media-Atlas 2024“. Plattformen wie Instagram und Facebook oder YouTube als Videoportal bieten nicht nur kurzweilige Unterhaltung. Sie schaffen auch vielfältige Möglichkeiten, um Informationen zu verbreiten, Menschen zu erreichen und Gemeinschaft zu stärken.

„Social-Media-Arbeit ist für uns auch politische Arbeit mit sozialpolitischen Themen.“

Christian Egermann
Social-Media-Redakteur, Deutscher Caritasverband

Das spiegelt auch den Kern kirchlicher Arbeit wider: Gemeinschaft und Bindung. Viele Bistümer, Caritas-Verbände und Einrichtungen der katholischen Kirche haben das erkannt und Social Media zu einem wichtigen Baustein ihrer Kommunikation gemacht. „Social-Media-Arbeit ist für uns auch politische Arbeit mit sozialpolitischen Themen“, sagt Christian Egermann, Social-Media-Redakteur beim Deutschen Caritasverband.

Gesellschaft, Familie, Pflege und Klima sind die Hauptthemenfelder, zu denen die Caritas Beiträge postet. So macht sie beispielsweise auf gesellschaftliche Herausforderungen wie Armut, Pflegekrisen oder die Integration Geflüchteter aufmerksam, berichtet über soziale Projekte und stößt Spendenaktionen an.

Plakatmotiv der Caritas-Kampagne 2025

Im Mittelpunkt stehen auch Kampagnen wie die aktuelle Jahreskampagne 2025 „Da kann ja jeder kommen. Caritas öffnet Türen“. Damit will die Caritas darauf hinweisen, wie wichtig es sei, die Türen von sozialen Einrichtungen und Diensten offenzuhalten. Die Jahreskampagne wird auf den sozialen Plattformen von den regionalen Caritasverbänden unterstützt, was die Reichweite zusätzlich erhöht.

Aus Super Mario wird Super Martin

Die Bistümer kommunizieren viele kirchennahe Themen, aber auch gesellschaftliche Inhalte werden angesprochen. Dabei wird mal zum Nachdenken angeregt, geht es ernst oder gar politisch zu. Doch es darf auch geschmunzelt werden, wie das Bistum Essen beispielsweise mit seinem an dem bekannten Videospiel „Super Mario“ angelehnten Kurzfilm „Super Martin Land“ zeigte. Zu Sankt Martin ermutigte das Video zum Teilen von kleinen Dingen im Alltag.

„Auf unseren Social-Media-Kanälen haben alle Emotionen ihren Platz, ernste oder politische Themen gehören natürlich dazu, witzig darf es aber auch mal sein“, betont Lisa Myland, Social-Media-Redakteurin im Stabsbereich Kommunikation des Bistums Essen.

„Wir versuchen, Content zu schaffen, der unsere Blase verlässt, um Reichweite zu erzielen. Wir wollen überraschend, augenzwinkernd und mutig sein. Denn das trauen die Menschen der Kirche nicht zu.

Urs-Adrian von Wulfen
Social-Media-Manager, Bistum Osnabrück

Der Super Martin des Bistums Essen auf YouTube animiert zum Teilen im Alltag

Mit Content überraschen

Urs-Adrian von Wulfen, Social-Media-Manager beim Bistum Osnabrück, hält eine mutige Herangehensweise für wichtig: „Wir versuchen, Content zu schaffen, der unsere Blase verlässt, um Reichweite zu erzielen. Wir wollen überraschend, augenzwinkernd und mutig sein. Denn das trauen die Menschen der Kirche nicht zu.“ Gemeinsam mit einem bunten Team, dem „Bodenpersonal“, entwickelt von Wulfen für das Bistum Osnabrück Content für unterschiedliche Kanäle und Zielgruppen.

Das Bodenpersonal war anfangs ein Kanal auf YouTube, inzwischen ist es ein Netzwerk von Content-Entwicklerinnen und -Entwicklern, die für das Bistum Osnabrück verschiedene Plattformen bespielen. Urs-Adrian von Wulfen ist etwa als „elektrischer Mönch“ auf TikTok und YouTube unterwegs. In dieser Rolle regt er sich über verschiedenste Dinge auf, zum Beispiel über den Umgang mit der Klimakrise und den Aktivisten oder darüber, dass ein Priester zur Zielscheibe von Rassismus wurde. Dabei geht er ernst zu Werke, mal etwas provokant, aber auch humorvoll.

Urs-Adrian von Wulfen spricht als „elektrischer Mönch“ auf YouTube über verschiedenste Themen

Ähnlich ist die Herangehensweise seiner Bodenpersonal-Kolleginnen und -Kollegen, die beispielsweise in Video-Formaten „Kirchenkram“ beleuchten, als „Frau Weibswild“ über den Papst und seine Haltung zur Gender-Theorie sprechen oder als „Couchpastor“ den Unterschied zwischen den Bezeichnungen Priester, Pastor und Pfarrer erklären.

Ein Beitrag geht viral

Dem Bistum Essen gelang mit dem Video „Naar links! Naar rechts!“ ein kleiner Hit in den sozialen Netzwerken. Weit mehr als eine halbe Million Mal wurde der knapp 40 Sekunden lange Film aufgerufen, in dem es 18 Ministrantinnen und Ministranten den niederländischen Fußballfans bei der Europameisterschaft 2024 gleichtun. Zu einer Orgelversion eines Partysongs springen sie ausgelassen mehrfach nach links und rechts.„Wir versuchen mit unseren Posts auch Menschen zu erreichen, die in ihrem Alltag keine besondere Bindung zur Kirche haben. Unser Ziel ist es aber nicht, die Kirchenbänke am Sonntag wieder voll zu bekommen. Vielmehr geht es darum, die positiven Seiten der Kirche herauszustellen und mit den negativen Seiten transparent umzugehen“, erläutert Lisa Myland.

Das Ruhrbistum baut seine Social-Media-Strategie auf drei Säulen auf: Kontakt, Dialog, Bindung. „In einer Welt, in der die Kirche immer weniger eine Rolle spielt, müssen wir überhaupt erst einmal in Kontakt mit den Menschen kommen. Dafür erstellen wir überwiegend niedrigschwellige Inhalte für Instagram, YouTube und Facebook. Wenn gewünscht, gehen wir dann in den Dialog. Konkret heißt das: Wir sind in den Kommentarspalten unserer Kanäle unterwegs, beantworten Fragen und liken. Durch diesen Kontakt und Dialog wollen wir die Bindung zur Kirche stärken“, so Lisa Myland weiter.

„Die Kommunikation der Menschen hat sich verändert. Viele informieren sich heute auf den sozialen Kanälen. Deshalb ist es wichtig, dass die Kirche hier eine Rolle spielt.“

Annika Werner
Crossmedia-Redakteurin, Diözese Rottenburg-Stuttgart

Platz für Informationen und Botschaften

Menschen zu erreichen, die der Kirche positiv gegenüber eingestellt, aber nicht mehr fest mit ihr verbunden sind, lautet eines der zentralen Ziele, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihren Auftritten auf Facebook, Instagram und Co. verfolgt. „Die Kommunikation der Menschen hat sich verändert. Viele informieren sich heute auf den sozialen Kanälen. Deshalb ist es wichtig, dass die Kirche hier eine Rolle spielt“, so Annika Werner, die als Crossmedia-Redakteurin in der Stabstelle Mediale Kommunikation tätig ist. Inhaltlich legt die Diözese einen Fokus auf inspirierende Impulse bei der Vermittlung von Glaubensinhalten, Seelsorge und Geschichten aus dem Gemeindeleben. Außerdem werden Projekte und Aktionen vorgestellt.

Diskutieren ja, aber mit gegenseitigem Respekt

Eine besondere Herausforderung ist es für Kirche und Caritas, den Spagat zwischen Jung und Alt, zwischen konservativen und liberalen Katholikinnen und Katholiken hinzubekommen. Das gelingt nicht immer. Urs-Adrian von Wulfen kennt zweifelnde Töne: „Wir hören von innen wie außen schon mal Fragen wie: Was ist denn an Social Media sozial? Was nützt das den Menschen? Sind soziale Plattformen positive Orte? Die Antwort könnte lauten: Kirche geht schon immer dahin, wo die Menschen sind, und da ist es nicht immer nur schön.“

Der Umgang mit Kritik und negativen Kommentaren gehört zu den täglichen Aufgaben der Social-Media-Arbeit. Lisa Myland und das Bistum Essen setzen hier auf Respekt und transparente Kommunikation: „Wir binden immer wieder auch Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen unseres Bistums mit ein, etwa wenn es darum geht, spezielle Fragen zu beantworten oder bestimmte Informationen zu liefern. Uns ist es wichtig, positive Reaktionen zu stärken und Trollen möglichst wenig Raum zu geben.“

„Durch soziale Medien haben sich neue Kommunikationswege ergeben, die in beide Richtungen funktionieren, und die für viele Menschen einfacher zu bedienen sind als herkömmliche Medien.“

Lisa Myland
Social-Media-Redakteurin, Bistum Essen

Zuhören – ein wichtiger Aspekt

Für Kirche und Caritas geht es bei Social Media aber nicht nur um das Teilen von Inhalten. „Die sozialen Medien bieten auch die Möglichkeit zuzuhören, was die Menschen bewegt. Man kann sich leichter an die gesellschaftlichen ‚Ränder‘ bewegen und bekommt dort die Sorgen und Nöte anders mit als beispielsweise im Gemeindeleben. Durch soziale Medien haben sich neue Kommunikationswege ergeben, die in beide Richtungen funktionieren, und die für viele Menschen einfacher zu bedienen sind als herkömmliche Medien“ sagt Lisa Myland.

Gefällt vielen Usern wie hier auf Instagram: 18 Ministrantinnen und Ministranten springen „Naar links! Naar rechts!“

Up to date bleiben ist ein Muss

Doch die Social-Media-Welt entwickelt sich stetig weiter. Dadurch eröffnen sich laufend neue Möglichkeiten, Zielgruppen gezielt anzusprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Das weiß auch Christian Egermann vom Deutschen Caritasverband: „Wir beobachten die Entwicklungen und entscheiden dann, welche neuen Content-Formate, Kanäle und Netzwerke wir ausprobieren. Ganz oben auf unserer Agenda steht das Thema Videos. Wir wollen mehr junge Menschen, die Gen Z, erreichen, auch mit unserer Jahreskampagne, und das funktioniert am besten mit kurzen Videos.“

Betriebliche Altersversorgung verständlich machen: Social Media als Brücke zur jungen Generation

„Um im Alter seinen Lebensstandard halten zu können, ist es wichtig, möglichst früh zusätzlich für den Ruhestand vorzusorgen. Leider machen sich viele junge Menschen nur wenig Gedanken über ihre Rente oder wollen sich gar nicht damit befassen. Deshalb sprechen wir als KZVK in den sozialen Medien gezielt junge Versicherte mit unseren Inhalten an. Auf eine verständliche, lockere Art und Weise informieren wir dort über die Möglichkeiten der Zusatzversorgung, zum Beispiel mit unserer freiwilligen Zusatzrente MehrWert.

Caroline Bechthold
Social-Media-Managerin bei der KZVK

Mit Video-Clips zur MehrWert-Versicherung spricht die KZVK junge Versicherte auf Instagram und YouTube an

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